Mit meinen 37 Jahren habe ich zwei gescheiterte Ehen und andere toxische Beziehungen hinter mir.
Ich habe fast 35 Jahre gebraucht, um zu Selbstliebe und Zufriedenheit mit mir selbst zu finden.
Als ich an dem Punkt war, zum vermutlich ersten Mal im Leben offen zu sein für eine gesunde Beziehung, traf ich DICH.
Am Anfang schien alles perfekt – doch das war es nicht.

Wir lernten uns Ende Mai 2024 kennen, waren beide sofort absolut geflasht von einander. Alles ging sehr schnell, die Ereignisse überschlugen sich.
Doch schon damals konntest du dich nicht in letzter Konsequenz einlassen – zu groß waren deine Zweifel, dass du wirklich eine tolle Frau und eine ehrliche Beziehung verdient hast.

Du erzählst mir sehr früh von deiner Vergangenheit, von all der Scheiße, die du erlebt hast. Von deiner Mutter, die dich schon als Kind schlecht behandelt hat – und von den Beziehungen mit all den Frauen, die dich nicht zu schätzen wussten. Die Dich ausgenutzt und betrogen haben. Davon, dass es nie eine Frau gab, die dir wirklich beigestanden hat, wenn du Hilfe gebraucht hättest.
Für mich ist für einander da sein essentiell und die Basis für eine Beziehung. Ich wollte dir von Anfang an den Rücken stärken und dir bei Allem beistehen – beruhend auf Gegenseitigkeit natürlich. Das zuzulassen viel dir schwer – doch du wolltest daran arbeiten.

Wir hatten ein paar sehr schöne Wochen und Monate, waren sehr verliebt in einander. Nie zuvor hatte ich mich so unfassbar geborgen gefühlt. Bei dir fühlte ich mich Zuhause – in einem Maß, wie ich es vorher noch nie erlebt habe. Ich konnte sein, wer und wie ich bin. Und auch du warst dankbar, jemanden gefunden zu haben, der dich so nimmt, wie du bist.

Anfang September haben wir uns das letzte Mal gesehen. Alles war gut.
Doch dann fingst du an, dich immer seltener zu melden. Die Ereignisse und Anforderungen in deinem Leben überschlugen sich und Asperger sei Dank blieben keine Kapazitäten mehr für mich. Ich blöde Kuh habs nicht gecheckt – dachte, es läge an mir. Dachte, du hättest eine Andere.
Wir waren beide verletzt, das Ganze verlief im Sand.

Ende Oktober dann plötzlich wieder Kontakt, spontan ein Wiedersehen.
Es war, als wärst du nie weg gewesen. Wir hatten uns beide sehr vermisst – und hatten uns beide noch immer sehr lieb. Meine größte Angst war es, dich gleich wieder zu verlieren.
Nach einer Woche regem und einer Woche sporadischem Kontakt bist du circa elf Wochen untergetaucht und ich bin währenddessen durch die Hölle gegangen. Diesmal war mir jedoch klar, dass es nicht deine Absicht war, mir weh zu tun.

Ende Januar hast du dich überraschend wieder gemeldet. Auch du hattest mich vermisst, sagst du. Ich hatte nur eine einzige Bitte an dich – diese eine Bitte, dass du mir nicht nochmal so eine Scheiße antust.

Wieder hatten wir eine Woche täglichen und eine Woche sporadischen Kontakt – seither werde ich wieder komplett ignoriert.

Nach wie vor halte ich dich für einen grundehrlichen Menschen – ich weigere mich, zu glauben, dass du mich angelogen hast.

Du hast oft gesagt, dass du nicht anders kannst. Ich habe mich immer gefragt, warum du entgegen deiner eigenen Gefühle handelst. Wo du mich doch so besonders findest.

Du hast gesagt, ich sei die erste Frau gewesen, die dich nimmt, wie du bist. Die erste, die dir immer zur Seite gestanden und dir den Rücken gestärkt hätte. Als i-Tüpfelchen hat es auch sexuell perfekt gematcht.

Ich habe lange gekämpft. So wie um keinen Mann jemals zuvor.
Aber es gibt Dinge, die auch ich akzeptieren muss.

Viel zu viele Menschen (Frauen) haben dir dein Leben lang eingetrichtert, dass dein Wert gering ist. Zu viele Frauen haben dich belogen und betrogen – nach gut 40 Jahren bist du der Meinung, dass du nichts Anderes verdient hast. Das hat sich in dir so verfestigt, dass du nicht zulassen kannst, was nicht in dieses Bild passt. Eine Frau wie ich, die du in jeder Hinsicht toll findest, und die es absolut gut und ehrlich mit dir meint – das kann aus deiner Sicht einfach nicht sein.

Und das ist genau der Punkt, der mich lange so hilflos gemacht hat: ich hatte endlich den Mann gefunden, bei dem ich mich unfassbar Zuhause fühle – und seine Vergangenheit sorgt dafür, dass wir dennoch nicht zusammen finden.
Ich habe mich lange gefragt, wie ich dir nur begreiflich machen kann, wie wundervoll du bist und dass du es mehr als verdient hast, eine glückliche Beziehung zu führen.
Aber langsam verstehe ich: ich kann es nicht.


Für gewöhnlich schreibe ich nicht über einzelne Männer.
Doch die Begegnung mit dir war so prägend, dass es raus muss.
Bei allem Verständnis für und Wissen über Autismus – diese Geschichte hat mich so unfassbar verletzt wie keine andere jemals zuvor.

Fast hätte mich das Ganze in eine neue depressive Phase katapultiert - aber ich habe dagegen angekämpft. Und gewonnen.

Ich denke noch oft an dich. Und du wirst mir definitiv nie egal sein.
Aber es ist an der Zeit, abzuschließen.

 



Anfang April 2025